Leben, Leiden und Tod Wilhelms des Reichen – Teil 1
Düsseldorfs großer Herzog stirbt 1592
VON PETER HACHENBERG
Wir schreiben den 10. März 1592. Im Hof des Düsseldorfer Schlosses formiert sich eine illustre Trauergemeinde zum letzten Geleit für Herzog Wilhelm V. (geb. 28. Juli 1516 in Düsseldorf), genannt „der Reiche“, der am 5. Januar des Jahres verstorben ist und dessen Leichnam man zunächst in der Schlosskapelle aufbahrt.
Festgehalten wird der Trauerzug in Texten des herzoglichen Landschreibers Dietrich Graminäus und in detailreichen Kupferstichen aus der Werkstatt von Franz Hogenberg in Köln in der Schrift „Spiegel der Vergänglichkeit“.

Die Aufstellung des Trauerzuges für Herzog Wilhelm V. im Innenhof des Düsseldorfer Schlosses. Radierung aus: Dietrich Graminäus, Spiegel und Abbildung der Vergänglichkeit, Köln 1592 – mit freundlicher Genehmigung durch das Museum Zitadelle Jülich (Herrn Guido von Büren)
Die Aufstellung im Schlosshof zeigt den mächtigen Bleisarg, verhüllt mit einer auf den Boden herabhängenden schwarzen Samtdecke, die mit einem goldenen Kreuz und mehrfach mit dem Wappen der wichtigsten fürstlichen Länder, der Herzogtümer Kleve, Jülich und Berg und der Grafschaften Mark und Ravensberg, bestickt ist.
Wir sehen auf der Grafik etwa fünfzig Zugteilnehmer, dazu acht in schwarze Decken gehüllte Pferde. Vor dem Sarkophag hat sich bereits eine Gruppe formiert: Ein Adeliger hält das in Seide verhüllte und mit der Spitze zur Erde weisende, also nicht mehr kampfbereite Schwert des Herzogs, ein anderer den mit Straußenfedern geschmückten herzoglichen Helm, ein dritter auf einer Lanze eine ovale Tafel mit den Wappen der fürstlichen Ländereien. An der Spitze der Gruppe steht, wie es Bayerle schon 1844 in seiner ausführlichen Schilderung der Trauerfeierlichkeiten 1844 beschreibt, „Heinrich von Lülstorff zum Haen, Befehlshaber der Reiterei in dem Herzogthum Berg, die Fahne der Leibwache tragend“, auf der die Devise des Herzogs zu lesen ist: In Deo spes mea (In Gott meine Hoffnung).“ (1)
Den prächtigen Trauerzug bilden schließlich ca. 160 Teilnehmer aus Adel und Klerus, die acht Pferde und dazu Trompeter und Chorsänger, die lateinische Gesänge anstimmen. (2) Die letzte Ruhestätte für den Fürsten ist die nur knapp 300 Meter entfernte Marienstiftskirche, die wir heute als Lambertuskirche in der Düsseldorfer Altstadt kennen. Man nimmt freilich nicht den direkten Weg, sondern umrundet die Kirche mit einem Umweg vom Schloss aus über die Krämergasse zunächst an Lambertus vorbei, dann über die Straße „Alte Stadt“, die Ratinger-, Neubrück- und Mühlenstraße und schließlich wieder die Krämergasse. Die Düsseldorfer Bürger – wir können von einer Einwohnerzahl von etwa 3.500 ausgehen – säumen den Weg, die Stadttore sind geschlossen, die Mauern werden bewacht. Die Ausmaße des Zuges sind gewaltig – man zieht samt den Pferden in die Kirche –, so dass eigens eine neue Tür eingebrochen werden muss. (3)
Die Verdienste des Herzogs
Wem galt nun der ganze Aufwand? Anders als der Barockfürst Johann Wilhelm II. (1658 – 1716), der bekannt als „Jan Wellem“ mit seinem imposanten Reiterstandbild vor dem Düsseldorfer Rathaus thront und um den sich ein regelrechter Kult dreht, ist Wilhelm V. kaum im kollektiven Bewusstsein der Düsseldorfer verankert, was seiner geschichtlichen, insbesondere auch stadtgeschichtlichen Bedeutung keineswegs gerecht wird. Verwandt sind die beiden übrigens in direkter Linie: Jan Wellem ist der Ur-Ur-Enkel Wilhelms. Wer sich die genealogischen Zusammenhänge genauer anschauen will, kann dies auf der Stammtafel in der Anmerkung (4). Einen kurzen Überblick über Wilhelms Leben findet man in Wikipedia.
Ein Herrscher über viele Länder
Im Februar 1539, also im jugendlichen Alter von 22 Jahren, übernimmt Wilhelm von seinem unverhofft mit 50 Jahren verstorbenen Vater Johann III. die Herrschaft über einen im wahrsten Sinne des Wortes „zusammengeerbten“ Länderkomplex, der später unter dem Namen der „Vereinigten Herzogtümer Kleve-Jülich-Berg“ in die Geschichte eingehen soll. Wie heterogen dieses Gebilde ist, zeigt eindrücklich folgende Karte, in der die zu den Vereinigten Herzogtümern gehörenden Gebiete in Gelb mit roter Umrandung eingezeichnet sind, als weitere große Einheiten neben kleineren Flecken die Grafschaften Ravensberg und Mark. Auffällig ist, dass sich der alte Erzfeind, das Kurfürstentum des Kölner Erzbischofs, wie eh und je zwischen die Herzogtümer Jülich und Berg schiebt.

Land im Mittelpunkt der Mächte. Das Territorium Jülich-Kleve-Berg. Entnommen aus: Herzog. Kultur- & Stadtmagazin https://www.herzog-magazin.de/magazin/geschichten/land-im-mittelpunkt-der-maechte/ 23. Februar 2016; Mit freundlicher Genehmigung durch das Museum Zitadelle Jülich (Herrn Guido von Büren)
Ein junger selbstbewusster Fürst
Den Herrscher über diese Ländermasse, den 24jährigen Jungherzog, erblicken wir auf dem berühmten Kupferstich von Heinrich Aldegrever von 1540, wo er aufrecht mit zielsicherem Blick und herrschaftlich gekleidet mit Pelzkragen und Brokatmantel porträtiert ist als willensstarker und souveräner Fürst. (5)

Mit einer Körpergröße von 1,70 m bis 1,75 m (6) liegt er zudem wohl einige Zentimeter über dem seinerzeitigen Durchschnitt von etwa 1, 68 m, was ihn zusammen mit dem gut geschnittenen Gesicht und dem selbstbewussten Auftreten zu einem stattlichen jungen Mann macht, den man auch nach heutigen Maßstäben als durchaus attraktiv bezeichnen kann. Der Stich soll auch als Brautwerbebild um eine hübsche französische Prinzessin verwendet worden sein, wir kommen gleich auf die Geschichte zurück.
In dem neulateinischen Gedicht im unteren Schriftblock des Stiches heißt es in zeitüblicher Schmeichelei: „So viele Gebiete hat der noch junge Mann sich durch seine Tüchtigkeit gewonnen, wie keiner im Umkreis des deutschen Landes. Keinem steht er nach an Gerechtigkeit, keinem an Frömmigkeit, er hat gezeigt, daß er dem Ruhm der Alten gleichkommt.“ (7) Rechts oben sehen wir das Wappen der Vereinigten Herzogtümer, hier noch mit Geldern, das dem Jungherzog ordentlich Ärger einbringt.
Dass der junge Mann nicht nur mutig, sondern geradezu übermütig ist, zeigt sich nämlich in seiner kriegerischen Auseinandersetzung ausgerechnet mit Kaiser Karl V., der wie Wilhelm Erbansprüche auf das Herzogtum Geldern erhebt, welches das Gebiet der Vereinigten Herzogtümer tatsächlich erheblich erweitert hätte – siehe Karte oben. 1543 wird Wilhelm militärisch gedemütigt und muss im Vertrag von Venlo endgültig auf Geldern verzichten.
Zwei Ehen: Die Hübsche und die Spröde
Außerdem wird auf Druck Karls V. im Oktober 1545 Wilhelms am 14. Juni 1541 geschlossene Ehe mit der wohl ausgesprochen hübschen Jeanne d ̓Albret (geb. 7. November 1528), Nichte des französischen Königs Franz I., vom Vatikan aufgelöst, hätte sie doch eine enge Verbindung mit dem Erzfeind des Habsburger Kaisers bedeutet. Die Braut selbst erweist sich ohnehin als durchaus widerspenstig: „Jeanne weigerte sich. Die Zwölfjährige ließ ihren Onkel wissen, dass sie den Herzog nicht heiraten möchte, und sie ließ zwei Schreiben aufsetzen, in welchen sie erklärte, dass sie gegen ihren Willen zu dieser Ehe gezwungen worden sei. Natürlich konnte sie sich nicht auf Dauer gegen den Willen des Königs auflehnen, aber bei der Hochzeitszeremonie (…) weigerte sie sich, zum Altar zu schreiten, stattdessen musste sie getragen werden. Ihr Jawort war nicht hörbar und wegen ihres Alters wurde die Ehe nicht vollzogen, der Herzog setzte nur symbolisch ein Bein in ihr Bett. Nach der Hochzeit kehrte er zurück nach Düsseldorf, während Jeanne vorläufig in Frankreich blieb.“ (8)
Stattdessen ehelicht Wilhelm 1546 im Beisein des Kaisers aus machtpolitisch-dynastischen Gründen die eher spröde Maria von Österreich (1531 – 1581), die Tochter von Ferdinand, dem römisch-deutschen König und Bruder Karls V., womit eine enge Verflechtung mit dem habsburgischen Herrscherhaus gegeben ist, was Wilhelms Prestige im Reich sicherlich erheblich steigert. Sieben Kinder wird Maria dem Herzog gebären, darunter Johann Wilhelm als zweitältesten Sohn (1562 – 1609), der 1592 seinem Vater als Johann Wilhelm I. in der Herzogswürde nachfolgen wird. Von diesem Sohn wird später noch die Rede sein. Man darf ihn übrigens keineswegs verwechseln mit Johann Wilhelm II., also dem schon erwähnten Jan Wellem, der 1658 rund hundert Jahre später geboren wird.
Düsseldorf als Residenzstadt
Ein modernes Schloss
Nachdem sich das Verhältnis zu Karl V. und die Heiratsangelegenheiten geklärt haben, kann sich Wilhelm auch Düsseldorf, das sich immer mehr zur Hauptresidenz entwickelt, verstärkt zuwenden. Es ist ohne Übertreibung festzustellen, dass gerade er in seiner langen Regierungszeit das Bild Düsseldorfs in entscheidender Weise geprägt hat.
So wird unter seinem sich durchaus als modern verstehenden Regiment das im Dezember 1510 durch einen Brand zu großen Teilen zerstörte Stadtschloss zu einer modernen Dreiflügelanlage mit Schlossgarten um- und ausgebaut: „Genauso imagefördernd konnte die Umgestaltung eines vorhandenen, in seinen architektonischen Elementen altertümlich wirkenden Schlosses zu einem dem neuesten Geschmack angepaßten Renaissance-Schloß wirken – und sein Prestige aufwerten. Die repräsentative Rheinansicht der Stadt dominierte ein in rotem Backstein ausgeführter, beeindruckender Schlossbau.“ (9) Von der ganzen Herrlichkeit ist bekanntlich nur noch der runde Nordturm erhalten geblieben, aber der prägt das Bild der Altstadt von der Rheinseite her bis heute.

Modell des Stadtschlosses um 1585 © Mit freundlicher Genehmigung des Stadtmuseums Düsseldorf, R 4
Mauern und Bastionen
Wichtiger noch ist der Ausbau der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert zu einer stattlichen Anlage mit vorgelagerten Bastionen und einer Zitadelle – in der Zeichnung ganz rechts –, modernen militärischen Anforderungen entsprechend.

Düsseldorf 1620, Bild mit freundlicher Genehmigung des Schulverwaltungsamtes der Stadt Düsseldorf aus: Dokumentation zur Geschichte der Stadt Düsseldorf Bd. 5, Pädagogisches Institut der Landeshauptstadt, August 1983, S. 18
Wer übrigens ein wenig auf stadtgeschichtlichen Spuren wandeln will, der kann das im Fall der Zitadelle recht gut. Bei der in der Zeichnung mit der Nr. 5 gekennzeichneten Bastion in der Südostecke der Zitadelle – die Spitze ganz rechts oben – handelt es sich um die sog. „Bastion Diamantstein“, auf der sich der mit Skulpturen und Rosenbeeten schön gestaltete Garten unseres Stadtmuseums befindet, eine wunderbar ruhige Ecke im Stadtgetriebe, die man über den Eingang am Anna-Maria-Luisa-Platz erreicht. Im Untergeschoss des Museums, im Garderobenbereich, befinden sich auch noch einige kleinere, aber beeindruckende Mauerreste der mächtigen, komplett aus Ziegeln gefertigten Anlage. Das folgende Foto zeigt die Spitze der Bastion, vom gegenüberliegenden Ufer des Spee’schen Grabens aus betrachtet.

Spitze der Bastion Diamantstein
Zudem ist noch die Bastion Spee am alten wiederhergestellten Hafen zu besichtigen – Nr. 7 auf der Skizze oben – , ansonsten sind von der ehemaligen Pracht der Zitadelle und der gesamten Befestigungsanlage aus dem 16. Jahrhundert keine Reste mehr vorhanden.

Bastion Spee am alten Hafen mit mittlerweile entsorgtem Aalschokker
1585 – ein historischer Blick auf die Bastion Diamantstein
Einen authentischen historischen Blick auf die seinerzeit noch im Ausbau befindliche imposante Befestigungsanlage gewährt uns dagegen ein Kupferstich des Franz Hogenberg von 1587 aus einer Serie von Stichen, die zusammen mit Texten des Landschreibers Dietrich Theodor Graminäus in einem voluminösen Buch die Feierlichkeiten zur Hochzeit der Jacobe von Baden mit dem Sohn des Herzogs, Johann Wilhelm, aus dem Jahr 1585 dokumentiert.

Beschreibung derer Fürstlicher Güligscher ec. Hochzeit: Einholung der Braut am 15. Juni 1585, mit freundlicher Genehmigung des Stadtmuseums Düsseldorf, © Stadtmuseum Düsseldorf D V-3.1. Digital zu finden unter: https://emuseum.duesseldorf.de/view/objects/asitem/items$0040:301633
Am 15. Juni wird Jacobe in einem triumphalen Zug hochadeliger Gäste mit deren umfangreichem Gefolge durch das Berger Tor in die Stadt eingeholt, wobei wir am oberen Bildrand auf die mit donnernden Salutkanonen besetzte Befestigung blicken. Rechts unten sehen wir den Bräutigam mit seiner Begleitung auf den Wagen der Braut zueilen, links erblicken wir einen schmalen Streifen des Ostrandes der Zitadelle, wo wohlgerüstete Fußknechte in „einer Kleidung mit rohten Mandilien (kurzen Mänteln, Umhängen) so mit gelb besetzt gewesen, rohten Wambussen (Älteres Wort für Wams, hier Plural) mit weissen gefutert, zerschnittenen weißen Buxen (Hosen) mit rohtem futer, groenen vnd gelben Strümpffen“ in „guter Ordnung mit ihren Wehren aufs zierligst mit ihren Rohren, Pulverflaschen und zugehörigen Lunten und Seitenwehr ausgerüst“ ebenfalls Salut feuern. Es ging also ordentlich bunt zu beim Einzug in die Stadt, so wie ihn Graminäus plastisch beschreibt. Das komplette Buch zu „derer Fürstlicher Güligscher etc. Hochzeit“, dem ich das sprachlich etwas modernisierte Zitat entnommen habe, ist übrigens eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte Düsseldorfs im 16. Jahrhundert und mittlerweile digitalisiert im Internet zu finden. (10)
Die Ehe des Fürstensohnes endet im Übrigen, wie man weiß, 1597 mit dem wohl gewaltsam herbeigeführten Tod der Gattin, kein schönes Kapitel der Düsseldorfer Geschichte. Johann Wilhelm selbst stirbt 1609 in einer Art geistiger Umnachtung. Wer mehr über sein trauriges, aber auch berührendes Schicksal lesen – oder auch hören – möchte, sei hingewiesen auf die beiden Beiträge auf meiner Webseite: „Johann Wilhelm der Unglückliche“ Teil1 und Teil 2. Die arme Jacobe soll ja zudem bis heute als „weiße Frau“ im Schlossturm ihr geisterhaftes Spiel betreiben.
Leiden und Tod des Herzogs
1566: Das Schicksal wendet sich – Schlaganfälle, Lähmungen, Sprachverluste
Im Frühjahr des Jahres 1566 wendet sich das Schicksal Herzogs Wilhelms entscheidend. Auf dem Weg zum Augsburger Reichstag, der vom 2. April bis zum 5. Juni des Jahres stattfindet, sucht ihn im Alter von fast 50 Jahren ein schwerer, sich mehrfach wiederholender Anfall heim, der seine linke Körperseite lähmt, wie sein Leibarzt Reiner Solenander in seinem Bericht „Über Krankheit und Tod des Herzogs Wilhelms III.“ vom 8. Januar 1592 vermerkt. (11) Wann genau sich der erste Anfall ereignet, gibt der Leibarzt nicht an, wie man überhaupt dem Bericht ein wenig anmerkt, dass er in aller Eile, schon drei Tage nach dem Tod des Herzogs am 5. Januar, verfasst worden ist.
Frühes Neuhochdeutsch – viel leichter als man denkt! Das gleich folgende Zitat ist dem im Deutsch des 16. Jahrhunderts verfassten Original entnommen und mit einigen kurzen Erklärungen versehen. Das sieht auf den ersten Blick etwas fremd aus, aber wenn man den Text laut oder halblaut liest, merkt man, dass er nicht sehr weit von unserem heutigen Hochdeutsch entfernt und sehr gut verständlich ist.
Der Fürst, so der Arzt, sei wohl hinauf nach Augsburg gekommen, „doch den Tag für seinem Eintritte daselbst mit einem schweren Zufall (Anfall) und Accident (Symptom, krankhafte Störung) , das einer paralysi (einer Lähmung) oder Rachung (einem Schlaganfall) nit ungleich , angefochten, darnach in einem leben, welchs einem Kranken nit dienlich, innerlich dreier Monaten Zeits ethlichmal widerumb mit gleichen und größeren Zufällen, welche die Medici (Ärzte) anders nit dan paralyses (Lähmungen) abnemen konnen, heimgesucht, … .“ (12) Im weiteren Textverlauf präzisiert er, dass „auf dem Reichstag zu Augspurg Ihre f. g. (fürstliche Gnaden) in wenig monaten elfmal an dero (der linken) seidten paralysi effectus“, also von Lähmungen betroffen gewesen sei. (13)

Merian Augsburg 1643
Der Fürst erleidet also im Frühjahr 1566, in seinem 50. Lebensjahr, Anfälle, die ihn linksseitig lähmen und mehr als 25 Jahre gesundheitlich stark beinträchtigen: „ Sindt dero Zeit haben Ihre f. g. (fürstliche Gnaden) fast einen angefochtenen beschwerlichen standt in Irer gesundheit gehabt, nun schier (beinahe, fast) in die 26 Jahr lank, (…).“ (14)
Dies bleibt den Zeitgenossen natürlich nicht verborgen. Der 1593 verstorbene Sekretär Wilhelms, Gabriel Mattenclot, erwähnt in seiner in Latein verfassten Chronik: „Im Jahre 1566, am 30. September, kam der Fürst von Jülich aus Bensberg an, Zunge und rechte Hand gelähmt.“ (15)
In den lateinischen Annalen des Werner Teschenmacher von 1638 heißt es: „Im Jahr 1566 (…) kam es durch die Hand Gottes während des Augsburger Reichstages zu einer neuen Krankheit des Fürsten, die schließlich mit Paroxismen (Anfällen) in einer einseitigen Lähmung endend 25 Jahre dauerte.“ (16)
Woldemar Harleß bemerkt in seinem biographischen Beitrag von 1898 , dass der Fürst seit dieser Zeit an seinen schlimmeren Tagen ein „schwacher, zu allem unlustiger Kranker“ gewesen sei, sich an seinen besseren Tagen aber „frei erheben (konnte), stehen, wandeln, reiten, essen und trinken, fast wie ein Gesunder“. Der Historiker zitiert weiter den 1576 verstorbenen Sekretär Wilhelms, Gerhard von Jülich, der berichtet, dass der Herzog unter Sprachproblemen litt. Hier nochmals der Hinweis: Das Zitat am besten laut oder halblaut lesen!
Wilhelm konnte „laut rufen und viel Wörter perfect ausreden, etliche aber nit dan per (nicht anders als durch) circumlocutionem (Umschreibung) oder Beschreibung anzeigen, also daß es keine Rachung (apoplektischer Zustand = Schlaganfall), sondern ein Wunder und unerhört Wesen und Gebrechen umb I.F.G. (um Ihre Fürstliche Gnaden) ist, welches die Medici nit verstehen können, noch von solchem Mangel je gelesen zu haben bekennen, sondern halten es für eine sondere Schickung Gottes, wie denn auch Galenus etwan an einem Ort schreiben mag, es gebe gewisse Krankheiten, die etwas von Gott in sich tragen.“ (17)
Bemerkenswert ist hier die Schilderung der offensichtlichen Sprachausfälle Wilhelms, durch Gerhard von Jülich spezifiziert als Schwierigkeiten bei der Wortfindung. Der Fürst kann sich offensichtlich an bestimmte Wörter nicht mehr erinnern, sie sind seinem Gedächtnis entschwunden und er muss sich mit Beschreibungen oder Umschreibungen behelfen. Beispiele gibt Gerhard leider nicht.
Wir haben es bei Wilhelm also wohl zu tun mit einer milden Art von Aphasie, jedenfalls passt Gerhards Beschreibung ziemlich genau auf das, was Mediziner eine „Amnestische Aphasie“ nennen, deren Leitsymptom „Wortfindungsstörungen bei ansonsten gut erhaltenem Sprachvermögen“ sind: „Der Satzbau ist weitgehend intakt.“ Ein Beispiel wäre eine Umschreibung wie: Hund – „das was im Park läuft“.
Als eine der möglichen Ursachen wird ein Schlaganfall angebenen, und dies ist wohl bei Wilhelm anzunehmen, wobei sich dieser Zusammenhang den Menschen des 16. Jahrhunderts nicht so ohne Weiteres erschloss, weshalb Gerhard von Jülich die Probleme des Herzogs in den Bereich des von Gott gesandten Schicksals verweist.
Weitere Leiden: Diagnose und Obduktion
Der Tod ereilt den Herzog, wie schon mehrfach erwähnt, am 5. Januar 1592, also in seinem 76. Lebensjahr, womit er ein für seine Zeit doch beachtlich hohes Alter erreichte. Solenanders Bericht enthält nun zwei längere Einschübe in lateinischer Sprache, zum einen eine Beschreibung des Krankheitszustands des Altherzogs, also eine Art Diagnose, verknüpft mit allgemeinen Betrachtungen zu den Körperorganen Herz, Hirn und Leber, zum anderen einen ausführlichen Befund der kurz nach dem Tod Wilhelms durchgeführten Obduktion. Die kurzen ausgewählten Abschnitte, die folgend wiedergegeben werden, liegen hier zum ersten Mal in deutscher Übersetzung vor, die Originalzitate findet man in den Anmerkungen.
Diagnosen
Verdauungs- und Stoffwechselstörungen
So ist u.a. die Rede von schweren Verdauungs- und Stoffwechselstörungen des Herzogs, die mit entscheidend waren für die zunehmende Schwäche Wilhelms im hohen Alter: „Auch die natürliche Leistungsfähigkeit der Leber war stark eingeschränkt und besonders der Magen erfüllte seine Pflicht nicht. Denn er hatte kein Verlangen nach Nahrung, nahm sie mit Mühe auf, behielt sie kaum, so dass er sie kaum mit großer Mühe verdauen konnte und die Leber nicht mit nützlichem Chylus (Milchsaft, ein Verdauungsenzym) versorgt wurde. Die Durchblutung ließ deshalb nach, der Körper war der Nahrung beraubt, und die Gestalt des Körpers war überaus erschlafft und abgemagert, (…).“ (19)
Das Erlöschen des Lebensfeuers
Letztlich, so schlussfolgert Solenander, seien die Lebenskräfte insgesamt so erschöpft gewesen, dass das Herz seinen Dienst nicht mehr aufrecht erhalten konnte, eine direkte Todesursache, z.B. eine tödliche Erkrankung, stellt der Arzt nicht fest:
„Bis zu diesem Punkt war die Lebenskraft in der Tat so stabil, dass es erstaunlich war, dass inmitten der Schwäche der anderen Kräfte das Herz seine Stärke so lange bewahren und überstehen konnte. Doch weil die anderen genannten Kräfte bemerkenswert geschwächt waren, geriet jener kleine Lebensfunke im Herzen ins Wanken.“ (20)
Obduktionsbefunde
Nach dem Tod des Herzogs wird Solenander zudem von den fürstlichen Räten mit der Einbalsamierung und Obduktion des Leichnams beauftragt. Den Autopsiebericht einleitend bemerkt der Medicus auf Deutsch: „Und haben in erledigung des Körpers in außnehmung interaneorum (der Eingeweide) nit sonderlichs merklichs (…)“, (21) also nichts besonders Bemerkenswertes gefunden, was bedeutet, dass auch Obduktion letztlich keine eindeutige Todesursache ergab.
Die geschrumpfte Milz
Gleich zu Beginn richtet der Leibarzt nach einer kurzen Erwähnung von Magen und Eingeweide, die durch Blähungen stark betroffen seien, sowie der an sich „lobenswerten“ Leber seine Aufmerksamkeit auf die Milz, was nicht verwundert, denn in der frühneuzeitlichen Medizin kam dieser eine besondere Bedeutung zu, da sie als das Organ betrachtet wurde, das für die Produktion bzw. Speicherung der schwarzen Galle, der Verursacherin der gefürchteten dunklen Gemütsstimmung der „Melancholia“, zuständig war:
„Der Magen und die Eingeweide waren fast leer und durch Blähungen stark aufgebläht, die Leber war sehr lobenswert, die Milz so klein, dass man kaum glauben kann, dass in jenem vor vielen Jahren durch langes Quartalsfieber (eine Malariavariante) betroffenen Körper, nach einer geschwollenen, großen und harten Milz so viel von diesem Eingeweide (= der Milz) abgestorben und so klein war, dass es kaum die Breite und Größe einer Handfläche erreichte.“ (22 )
Leistenbruch – vier Finger passen durch
Weiter machte dem Fürsten ein schwerer Leistenbruch zu schaffen: „Die Nieren waren fest und intakt, ebenso die Blase in der linken Leiste, wo ein Leistenbruch oder Bruch einen Durchgang im Bauchfell geschaffen hatte, der so groß war, dass vier Finger zusammen hindurchpassten.“ (23) Wilhelm musste ein Leistenbruchband tragen, um zu verhindern, dass Eingeweide in den Hodensack abrutschten.
Gallensteine – schwarz, hart, unregelmäßig, rau und kantig
Außerdem wurden bei der Autopsie Gallensteine entdeckt: „Unter der Leber die ziemlich große und mit viel Galle flache und angeschwollene Gallenblase. Als ich sie durch Druck mit den Fingern zusammenpresste, spürte ich darin etwas Härteres; als ich jedoch, wie ich es bei Sektionen oft beobachtet habe, anordnete, die in ihr allmählich gewachsenen Steine zu öffnen, fand sich darin jeder Stein schwarz, hart, unregelmäßig, rau und kantig.“ (24) Der Zustand der Gallenblase – „mit viel Galle (…) angeschwollen“ und mit Gallensteinen befallen – könnte auf einen Überschuss von in der Milz produzierter Schwarzgalle deuten. Ob Wilhelm aufgrund der Gallensteine unter Schmerzen zu leiden hatte, bleibt offen.
Der Gesamtbefund: Altersschwäche
Soweit wir also der zeitgenössischen Diagnose und der Autopsie entnehmen können, war, wie schon angedeutet, zumindest mit den damaligen Möglichkeiten der Medizin keine unmittelbare Ursache für den Tod des Fürsten zu finden. Wilhelm starb wohl an „verschiedenen körperlichen und geistigen Funktionseinschränkungen, die durch altersabhängige, degenerative Vorgänge verursacht werden“, also schlicht an Altersschwäche, wie sie z.B. in einem populären medizinischen Online-Lexikon definiert ist.
Kein Ende der Geschichte
Aber mit dieser lapidaren Feststellung ist die Geschichte keineswegs beendet: Wie verlaufen die letzten Tage und Stunden dieses großen Düsseldorfer Herzogs? Wie und wo wird er bestattet? Warum werden seine sterblichen Überreste zwischen 1954 und 1960, also mehr als 362 Jahre nach seinem Tod, noch einmal obduziert? Die Antworten werde ich im zweiten Teil dieses Beitrags geben.
Quellen
Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander über Krankeit und Tod des Herzogs Wilhelm III. von Jülich-Cleve-Berg. (1592.) , in: Archiv für die Geschichte des Niederrheins 6, 1868, S. 168 – 179; digital:
https://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/3336860
Graminäus, Dietrich: Beschreibung derer Fürstlicher Güligscher etc. Hochzeit …, Cölln 1587, digital:
https://archive.org/details/beschreibungdere00gram/page/n1/mode/2up
Rerum in Germania praecipue inferiore gestarum brevis commemoratio. Authore Gabriele Mattenclot, qui ipsis partim vidit, partim a fide dignissimis audivit, in: Theodor Joseph Lacomblet, Archiv für die Geschichte des Niederrheins Bd. 5, 1866; digital:
https://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/3344722
Auszüge in deutscher Übersetzung in: Dokumentation zu Geschichte der Stadt Düsseldorf Bd. 8, Pägagogisches Institut der Landeshauptstadt, August 1986
Werner Teschenmacher, Annales Cliviae, Juliae, Montium (Arnheim 1638, Frankfurt am Main 1721); digital: https://archive.org/details/bub_gb_FexaAAAAQAAJ/page/n5/mode/2up?view=theater
Literatur
Bayerle, Bernhard Gustav: Die katholischen Kirchen Düsseldorfs, Düsseldorf 1844
Fimpeler-Philippen, Annette; Schürmann, Sonja: Das Schloß in Düsseldorf, Düsseldorf (Droste) 1999
Harleß, Woldemar: „Wilhelm V.“ in: Allgemeine Deutsche Biographie 43 (1898), S. 106-113 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118807358.html#adbcontent
Heinz, Stefan: Auferstehungshoffnung nach römischem Vorbild. Das Düsseldorfer Grabdenkmal für Wilhelm V. im kunsthistorischen Kontext, in: Guido von Büren, Ralf-Peter Fuchs, Georg Mölich (Hg.), Herrschaft, Hof und Humanismus. Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und seine Zeit, Bielefeld (Verlag für Regionalgeschichte) 2020, 2. Aufl., S. 439 – 469
Land im Mittelpunkt der Mächte. Die Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg, hg. Vom Städtischen Museum Haus Koekkoek Kleve und vom Stadtmuseum Düsseldorf, Kleve (Boss-Verlag) 1984, 3. überarbeitete Aufl.
Muschka, Wilhelm: Opfergang einer Frau. Lebensbild der Herzogin Jakobe von Jülich-Kleve-Berg, geborene Markgräfin von Baden, Baden-Baden (Verlag Schwarz GmbH) 1989, 2. Aufl., S. 151 f.
Nielsen, Merete: Jeanne d‘ Albret (1528–1572), in: „reformiert-info.de“, https://www.reformiert-info.de/Albret-12206-0-37-4.html
Rümmler, Else: Die Fürstlich Jülichsche Hochzeit zu Düsseldorf 1585, Düsseldorf (Verlag Hanns Marcus) 1983
Schweitzer, Heinz: Zur Identifizierung der in der Fürstengruft der St. Lambertuskirche zu Düsseldorf aufgefundenen Gebeine, in: Düsseldorfer Jahrbuch Bd. 50, 1960, S. 1 – 27
Anmerkungen
(1) Literatur: Bayerle, S.46
(2) Literatur: Land im Mittelpunkt, S. 422
(3) ebd.; Literatur: Heinz, S. 441
(4) Stammtafel Wilhelm der Reiche:

(Der Stammbaum wurde erstellt in einem meiner Kurse zur Düsseldorfer Stadtgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität. Er ist verkürzt und soll nur die direkte verwandtschaftliche Beziehung von Wilhelm dem Reichen zu Kurfürst Johann Wilhelm (Jan Wellem) aufzeigen. Aufgeführt sind z.B. nicht die weiteren Kinder Wilhelms des Reichen, die leicht in Wikipedia zu recherchieren sind . Weiterverwendung des Stammbaums nur mit meiner Genehmigung / PH)
(5) Literatur: Land im Mittelpunkt, S. 394 f.
(6) Literatur: Schweitzer S. 11; Die Körpergröße wurde von dem Anatomen Heinz Schweitzer bei einer Untersuchung der 1954 in der Fürstengruft von St. Lambertus wiederentdeckten sterblichen Überreste Wilhelms errechnet. Allerdings könnte sich diese Körpergröße durch eine Verkrümmung der Wirbelsäule im Laufe des Lebens um etwa 5 cm verringert haben. (ebd.) Auf die Ergebnisse der Untersuchungen Schweitzers werden wir im zweiten Teil des Beitrags noch näher eingehen.
(7) Literatur: Land im Mittelpunkt, S. 395
(8) Literatur: Nielsen, Merete
(9) Literatur: Fimpeler-Philippen, S. 184
(10) Quellen: Graminäus, Dietrich: Beschreibung derer Fürstlicher Güligscher etc. Hochzeit …, Cölln 1587, digital: https://archive.org/details/beschreibungdere00gram/page/n1/mode/2up
Die Hochzeit von 1585 ist häufig beschrieben worden. Sehr empfehlenswert in meinen Augen bzgl. der Forschungsliteratur immer noch: Muschka, Rümmler
(11) Quellen: Bericht des Leibmedicus D. Solenander
(12) Quellen: Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander, S. 168
Rachung: Der Begriff der „Rachung“ im Sinne von „Schlaganfall“ ist nicht ohne Weiteres in den Standardwörterbüchern wie dem „Deutschen Wörterbuch“ der Gebrüder Grimm zu finden. Eindeutige Belege finden sich im sog. „Buch Weinsberg“, einer Kölner Familienchronik aus dem 16. Jahrhundert, die als eine der wichtigsten kulturhistorischen Quellen für die frühe Neuzeit gilt.
Einzelbelege digital:
Das Buch Weinsberg / Band 4
Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Link: https://services.ub.uni-koeln.de/cdm/ref/collection/grhg/id/4195
Seite 282: Worterläuterung „rachen“

Das Buch Weinsberg / Band 5
Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
Link: https://services.ub.uni-koeln.de/cdm/ref/collection/grhg/id/45978
Seite 520: Worterläuterung „rachen, Rachung“

Prof. Helmut Brall-Tuchel sei gedankt für die lebhafte Diskussion um die „Rachung“.
(13) Quellen: Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander, S. 170
Der Reichstag von Augsburg 1566 fand gemäß des zu seiner Zeit gültigen julianischen Kalenders vom 23. März – 30. Mai statt, was dem 2. April – 9. Juni der gregorianischen, also unserer Zeitrechnung entspricht. Wilhelm wird sicherlich einige Zeit vor Beginn des Reichstags angereist sein und auch einige Zeit für die Organisation der Abreise gebracht haben, so dass Solenanders Zeitangaben „innerlich dreier Monaten Zeits“ bzw. „in wenig monaten“ als realistisch anzunehmen sind. Siehe: https://www.historischekommission-muenchen.de:
(14) Quellen: Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander, S. 168
(15) “Anno 1566 ultima Septembris princeps Juliacensis venit Bensburgo tactus lingua et dextra manu”.
Quellen: Rerum in Germania, Mattenclot, Theodor Joseph Lacomblet, Archiv für die Geschichte des Niederrheins Bd. 5, 1866, S. 238
https://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/3344722
https://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/3344963
Vergl. Dokumentation zur Geschichte der Stadt Düsseldorf Bd. 8, Pädagogisches Institut der Landeshauptstadt, August 1986, S. 252
(16) “Anno 1566 (…) in Comitiis Augustanis infirmitas nova principis, Dei manu contigit, quae cum paroxismis tandem in haemiplexia desinens , 25 annis duravit.”
Quellen: Werner Teschenmacher, Annales Cliviae, Juliae, Montium (Arnheim 1638, Frankfurt am Main 1721), S. 323
https://archive.org/details/bub_gb_FexaAAAAQAAJ/page/n5/mode/2up?view=theater
https://archive.org/details/bub_gb_FexaAAAAQAAJ/page/323/mode/1up?view=theater
(17) Literatur: Harleß, Woldemar
Leider gibt Harleß in seinem Beitrag für die „Allgemeine Deutsche Biographie“ von 1898 für das Zitat von Gerhard von Jülich keine Quelle an. Harleß war aber einer der profiliertesten Historiker seiner Zeit und zudem Leiter des Düsseldorfer Staatsarchivs, so dass sicherlich von einer getreuen Wiedergabe der Aussagen Gerhards auzugehen ist. Gleichwohl wäre ich dankbar, wenn unter den Lesern dieses Beitrags jemand wäre, der die entspechenden Quellenangaben liefern könnte.
(18) An dieser Stelle ein ganz besonderer Dank an Claudia Boes M.A., die Latinistin und Leiterin des Sprachenzentrums der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, für ihre Unterstützung bei der Übertragung der lateinischen Passagen ins Deutsche. Ohne ihre Hilfe wären diese Übersetzungen kaum zustande gekommen.
(19) „Naturalis facultas ex hepate graviter quoque obtusa ventriculo potissimum nullum officium suum faciente; nam neque appetebat cibum, difficulter assumebat, vix aegre retinebat, ut ita concoquere magna difficultate vix posset, unde hepati utilis chylus non suppeditabatur. Sanguificatio itaque labascebat corpusque nutrimento destituebatur atque ultra modum marcuit corporis habitus atque extenuebatur, (…).)
Quellen: Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander, S. 173
(20) “Hactenus vitalis facultas quidem sic satis constabat, ut mirum fuerit, in tanta virium caeterarum imbecillitate cordi illud robur suum tam diu consistere et superesse potuisse, verum quia ceterae praedictae facultates mirum in modum attritae erant, vitalis ille in corde igniculus manifesto labascebat.”
Quellen: Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander, S.173 f.
(21) Quellen: Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander, S. 177
(22) Ventriculus et intestina inania fere fuerint et flatu multo distenta, hepar laudabile admodum, lien tam exiguus, ut vix credi possit, in illo corpore ante multos annos longa quartana affecto post tumidum magnum et durum lienem tantum isti visceri decessisse atque tam exiguum , ut vix palmae latitudinem et magnitudinem adaequaret.
Quellen: Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander, S. 177
(23) Renes solidi et integri, item et vesica in sinistro inguine, ubi hernia seu ruptura meatum in peritaneo fecerat tam amplum ut quatuor coniunctis digitis transitum praeberet.
Quellen: Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander, S. 177
(24) Sub hepate vesica fellea satis magna et multa bilis plana et turgens, quam cum digitis premendo contractarem, persensi in ea duriusculum quiddam; quando autem ut saepenumero in sectionibus obseruaui, in ea succretos calculos iussi aperirent, niger quisque durus, inaequalis, asper, angulosus, (…)
Quellen: Bericht des Leibmedicus Dr. Solenander, S. 178
© Dr. Peter Hachenberg 10.04.25



Wieder ein sehr informativer und interessanter Artikel, wie immer sehr unterhaltsam geschrieben und erkennbar gründlich recherchiert. So macht Geschichte Spaß!
Ein typischer Hachenberg: Prall gefüllt mit Infos und Details. Verpackt in eine didaktische und sprachliche Bestform. Danke, lieber Peter.
Lieber Wolfgang, Deine lobenden Worte und Dein Dank sind für mich wirklich eine große Motivation, mit der ganzen Mühe weiterzumachen!