Die Kammerzofe der Kurfürstin Anna Maria Luisa de Medici
Von Florenz nach Düsseldorf und zurück: Isabella Celati
EIN BEITRAG DER GASTAUTORIN
CHIARA DE MANZINI

Zusammenfassung: In der Geschichte hinterlassen nicht nur die großen Player der verschiedenen Epochen Spuren, sondern auch die kleinen oft unsichtbaren Menschen, die auf dieser Bühne meist übersehen werden. Isabella Celati kam Ende des 17. Jahrhunderts aus der Toskana nach Düsseldorf als die Stadt am Rhein die Residenz einer illustren politischen Persönlichkeit jener Zeit war, und zwar des Kurfürsten Johann Wilhelm. An dessen Hof blieb Isabella 26 Jahre. Sie war zuerst zwölf Jahre lang erste Kammerzofe der Kurfürstin Anna Maria Luisa de Medici. Ihre Anwesenheit wird jedoch weder von Historikern, noch von den damaligen Berichterstattern oder Diplomaten, die über das Leben am Hof in dieser Zeit berichten, wahrgenommen. Sie heiratet 1703 Giovan Battista Fiori, den Barbier und Chirurg des Kurfürstenpaares. 1717, ein Jahr nach Johann Wilhelms Tode, ist das Ehepaar Fiori mit der verwitweten Kurfürstin (+1743) in Florenz zurück.
1. Einführung
Düsseldorf 1691: Kurfürst Johann Wilhelm II. von Pfalz-Neuburg trifft in Begleitung seiner florentinischen Braut Anna Maria Luisa de‘ Medici, seiner zweiten Ehefrau, in seiner rheinischen Residenz ein. Zu seinem Gefolge gehört auch eine gewisse Isabella Celati, die zwölf Jahre lang die erste Kammerzofe der Prinzessin sein sollte, aber von Historikern und Diplomaten, die diese Zeit am Hof ausführlich dokumentierten, ignoriert wurde.
Ihr Name taucht weder in den zahlreichen persönlichen Briefen der Medici auf, noch wird sie von den vielen illustren Gästen explizit erwähnt, seien es bedeutende politische Persönlichkeiten, Künstler oder Musiker, die ständig am Hof weilten oder nur auf der Durchreise waren und über das Leben am Hof berichteten. Und wenn Anna Maria, Tochter des Großherzogs der Toskana, jetzt Kurfürstin und Prinzessin Palatina, von einigen Hofdamen spricht, auch ironisch, indem sie sie als „koketter und schlauer als die italienischen Hofdamen bezeichnet (Kühn-Steinhausen 1967: 46)“, oder über ihre engsten Vertrauten schreibt, erwähnt sie Isabella nie. Sie bezieht sie in die anonyme Gruppe „meiner Frauen“ ein, als Mitglied des weiblichen Personals also, der Menschen, die am Hof aktiv beschäftigt waren.
Isabella Celati hat uns jedoch sehr konkrete Spuren hinterlassen: Ihre Anwesenheit erweist sich wie ein Karstfluss, eine unterirdische Strömung, die manchmal verschwindet, um dann wieder aufzutauchen.
Während der zwölfwöchigen Reise von Florenz nach Düsseldorf durchlebte auch Isabella, die schon zu dieser Zeit zur Entourage der Kurfürstin gehörte, Ereignisse, die für Anna Maria sehr einschneidend und aufregend waren: Die Trauung des Paares per Stellvertreter in Florenz, die Festlichkeiten vor der Abfahrt nach Düsseldorf, die abenteuerliche Fahrt der Braut über den Apennin mit Schnee im Mai, die Durchquerung der Poebene, der Aufenthalt in Innsbruck die Begegnung des Brautpaares dort, die Ankunft in Süddeutschland und an der Donau, die Schrecken des Krieges in der Pfalz, die Ankunft in Düsseldorf. Alle diese Erlebnisse findet man in Anna Maria Luisas Briefe wieder. Und Isabella war dabei. Darüber hinaus stehen uns Quellen zur Verfügung, die zwar die Palatina betreffen, wie zum Beispiel ihre Biographien, die uns jedoch implizit und manchmal sogar explizit vom Personal und so auch von Isabella erzählen.
Wir werden also Anna Maria Luisas Spuren folgen, über die historischen Fakten berichten und dabei auch auf Isabella, meist im Hintergrund, stoßen, und sie manchmal immer wieder konkret entdecken.
2. Die große Geschichte, die Epoche, die Figuren, Orte
Zuerst zurück zu den Fakten: Man schrieb das Jahr 1691. Es war der 19. Juli. Anna Maria Luisa, Tochter von Cosimo III. Großherzog der Toskana, und ihr Hofstaat waren seit zwölf Wochen ausschließlich mit der Kutsche unterwegs und befanden sich in Begleitung des Gemahls fast am Ziel in Düsseldorf. Der Kurfürst Johann Wilhelm II., als Jan Wellem bekannt, war Herzog von Jülich und Berg, Pfalzgraf-Kurfürst von der Pfalz und Pfalzgraf-Herzog von Pfalz-Neuburg. Seine Residenz hatte er an den Niederrhein nach Düsseldorf verlegt.
Der Kupferstecher Matthäus Merian der Ältere gibt uns 1647 einen etwas geschönten Eindruck von der Stadt, wie sie aber noch im Juli 1691 Isabella bei ihrer Ankunft erschien. Im 17. Jahrhundert war Düsseldorf nur eine Provinzstadt am rechten Rheinufer am Zusammenfluss mit dem kleinen Bach Düssel. Schon Residenz der Familie der Herzöge von Kleve, Jülich und Berg, wurde es unter Johann Wilhelm zum offiziellen Sitz des Kurfürsten von der Pfalz. Und doch hatte sich in den knapp fünf Jahrzehnten nach Merians Stich aus dem Jahre 1647 das Gesamtbild der Stadt äußerlich kaum verändert. Während Düsseldorf für diejenigen, die es vom Land aus erreichten, wenn nicht bedrohlich erschien, so aber doch zumindest abschreckend, von einer gewaltigen Festungsanlage umgeben, so zeigte es sich andererseits denen, die über den Rhein per Schiff anreisten, fast wie ein märchenhaftes, zum Fluss hin kompaktes Städtchen. Vom linken Ufer machte es den Eindruck, leicht zugänglich zu sein, was jedoch nicht der Fall war: Der Rhein selbst schützte es lange Zeit vor feindlichen Übergriffen.
3. Isabella, die ersten Spuren: die Abfahrt, die Reise
Vom Rhein zurück zu Isabella. Wir begegneten ihr zum ersten Mal implizit in der ausführlichen Biographie Anna Maria Luisas der deutschen Historikerin Hermine Kühn-Steinhausen, aus den Jahre 1939. Hier erfahren wir von den langen Verhandlungen vor der Hochzeit der Medici. Neben den komplizierten finanziellen Aspekten, von der Appanage bis zur Mitgift, wurde unter anderem auch die Zusammensetzung der Delegation bestimmt, die Anna Maria Luisa nach Düsseldorf begleiten sollte. Am Ende wurde entschieden, dass aus Florenz eine bestimmte Zahl von donne di camera (Kammerfrauen) und ragazze (Zofen) für die Reise und das Verbleiben in Düsseldorf vorgesehen wurden. Explizit finden wir Isabella mit Namen und Funktion zum ersten Mal in der Liste der Festlegung der jährlichen Zahlungen Anna Maria Luisas an ihren Hofstaat in den Kabinettskassenrechnungen, dann regelmäßig während der Folgejahre in jedem Quartal.
Schon bei der Ankunft in Düsseldorf stehen alle Personen, die zur Entourage der Kurfürstin gehören, in einer von vornherein bestimmten Hierarchie, die sich auch in der Aufgabenverteilung widerspiegelt. Neben der langjährigen Kammerfrau Anna Maria Luisas in Florenz, Maria Vittoria Casanova, wird auch Elisabeth Geizklöpfer, die dieselbe Funktion bei Johann Wilhelms erster Ehefrau innehatte, von ihrer Nachfolgerin (nolens volens?) übernommen. Was uns jetzt besonders interessiert: Als erste Kammerzofe, vor den anderen Bediensteten, wird der Name Isabella Celati schon in der ersten offiziellen Registrierung der bezahlten Angestellten in den Kabinettskassenrechnungen auf der Liste erwähnt: Und das bleibt so für alle Jahre von Isabellas Dienst am Hofe, während die anderen Zofen im Laufe der Jahre ständig ausgetauscht wurden.
Wenn wir auch keine Gewissheit über ihre Herkunft haben, so können wir doch sagen, dass sie zu der Zeit unverheiratet und sogar sehr jung gewesen sein muss, was eine Voraussetzung für den Status einer Kammerzofe war. Es ist wahrscheinlich, dass sie aus einer gut situierten, sogar adeligen toskanischen Familie stammte, die den Großherzögen nahestand, und dass sie vor ihrer Abreise eine Ausbildung in einer Klosterschule genossen hatte. In der Tat unterstützten die Medici traditionell mehrere Klöster in der Umgebung von Florenz. Dazu gehörte auch La Quiete (die Ruhe), das Kloster der Nobili Montaltve,, das in unmittelbarer Nähe der Villa Medici del Castello lag und unter der speziellen Obhut der alten Großerzogin Vittoria de’ Medici stand. In diesem Haus, das von Eleonora Ramirez de Montalvo im XVII. Jahrhundert gegründet worden war, konnten Mädchen aus gutem Hause bis zum Alter von dreizehn Jahren zur Schule gehen. Neben den Schülerinnen, die zur Crème de la Crème der Florentiner Gesellschaft, dem Adel und dem Großbürgertum, gehörten, gab es auch Waisenkinder und Mädchen aus politisch abgestiegenen Familien und sogar Findelkinder. Sie erhielten eine hervorragende, nicht nur religiöse Ausbildung. Einige legten dann in dem einen oder anderen Kloster das Gelübde ab, andere wurden von ihren Familien verheiratet oder als Personal am Hof oder bei den verschiedenen Adelsfamilien auch außerhalb von Florenz angestellt.
Für ihre Reise nach Düsseldorf und ihren Aufenthalt dort, der trotz ihrer Selbstsicherheit und ihres Selbstbewusstseins auch für die Medici vermutlich eine große Herausforderung war, wurde in den Verhandlungen über ein kleines Team von Vertrauten diskutiert, zu dem Isabella offenbar gehörte. Hier bleiben einige Fragen offen: War sie bei den Montalve in die Schule gegangen? Hatte sie dort eine spezielle Ausbildung genossen? Stammte sie aus einer Familie, die den Medici nahestand und weswegen bekleidete sie trotz ihres jungen Alters von vornherein die Funkton einer ersten Kammerzofe?
Nach der Trauung per Stellvertreter in der Florentiner Kirche Santa Maria del Fiore am 6. Mai waren Braut und Bräutigam laut Protokoll einen Monat später in Neuburg an der Donau auf Johann Wilhelms Familiensitz verabredet. Bei der Planung der Reise der Braut war eine ganze Reihe von Faktoren zu berücksichtigen. Zum Beispiel die geopolitischen: Wer damals von Florenz aus nach Norden fuhr, noch vor Erreichen der Alpen, der großen geologischen Grenze, mußte auch andere, nämlich politische Grenzen überqueren. Schon die erste Passage über den Apennin, der den Übergang vom Großherzogtum Toskana in den Kirchenstaat markierte, wurde wegen eines unvorhersehbaren Schneesturms zu einem Abenteuer. Dann ging die Reise durch die Poebene über Bologna durch die päpstlichen Gebiete weiter und von dort erreichte man Verona und Trient, dann weiter durch das Hinterland der Republik Venedig bis zur Etsch. Hinter dem Brenner, in den kaiserlichen Territorien, reiste die Delegation durch Tirol bis nach Innsbruck, wo eine Pause eingelegt wurde, es zur ersten Begegnung der toskanischen Braut mit ihrem deutschen Ehemann kam, bevor es weiter nach Norden ging.
Von dieser Reise berichtete Anna Maria Luisa in ihren Briefen an ihren Onkel, Kardinal Francesco Maria, den jüngeren Bruder ihres Vaters Cosimo III, den Anna Maria als zio cugino, ihren Vetter-Onkel, bezeichnete und dem sie sich besonders nahe fühlte.
All dies erlebte und kommentierte die junge Prinzessin, wahrscheinlich sogar in Anwesenheit ihrer Frauen, wie sie sagte, vielleicht besonders im Gespräch mit Isabella, die ihre Herrin bereits auf dieser ungewöhnlichen Reise unterstützte. Man kann mit Sicherheit sagen, dass diese lange Fahrt quer durch Europa nicht nur für Anna Maria Luisa, sondern auch für ihr Gefolge eine wahre Bildungsreise war. Es ging um die Überwindung unermesslicher Entfernungen für jemanden, der sich bis dahin wahrscheinlich nur innerhalb der Grenzen der Toskana, in Florenz oder sogar, im Falle Isabellas, innerhalb der Mauern eines Klosters in der toskanischen Provinz bewegt hatte.
In Deutschland erwies sich die Reise nicht als einfacher. Johann Wilhelms Territorien waren weit über das Reich verstreut, und um sie zu erreichen und zu durchqueren, musste man tagelange Fahrten in Kauf nehmen. Von Tirol fuhr Anna Maria Luisa mit ihrem kleinen Hofstaat weiter durch Bayern, anschließend weiter nach Neuburg an der Donau an den Hof der Familie Johann Wilhelms. Von hier aus machte sich die Hofgesellschaft nach einer längeren festlichen Pause auf den Weg nach Heidelberg, der zweiten Residenz Johann Wilhelms, die damals von französischen Truppen während des Pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zerstört worden war. Dann erreichte die Delegation weiter nördlich auf der rechten Rheinseite Düsseldorf. Alles in allem weit über tausend Kilometer. Florenz-Brenner, Brenner-München, München-Heidelberg, Heidelberg-Düsseldorf: eine Strecke, die auch heute noch zur Standartroute zwischen Italien und Deutschland gehört. Damals waren jedoch die Verkehrsmittel und die Straßen, gelinde gesagt, anders als heute. Und zwischen den einzelnen Stationen gab es Gebiete, die man meiden musste, weil sie politisch unsicher waren und nicht zu den Alliierten des Kaiserreichs gehörten. Wurden einige Strecken auf den großen Flüssen zurückgelegt? Damals, zu dieser Jahreszeit, war eine Reise per Schiff flussabwärts vermutlich viel bequemer und sicherer als eine Fahrt mit der Karosse. Dokumentiert ist, dass manchmal ad hoc Brücken über die Flüsse gebaut wurden, allerdings nur für illustre Reisende.
Wie war Isabella unterwegs? Hauptsächlich mit den anderen Frauen in einer der fünf oder sechs Kutschen des fürstlichen Gefolges, doch schloss sie sich auch Anna Maria Luisa an, die mit zwei ihrer Hofdamen in der fürstlichen Karosse reiste. Übernachtet wurde, z. B. bei der Fahrt über den Apennin, in zentralen und zu diesem Zweck umgestalteten Poststationen. Ansonsten verbrachte man die Reisepausen im Palast eines örtlichen Adligen, in Italien beispielsweise bei einem Diplomaten des Hauses Medici, der die Verpflegung und möglicherweise auch die Theateraufführungen, Klosterbesuche oder offiziellen Treffs mit dem lokalen Adel organisierte. Bei jedem Halt waren es die Frauen, die zusammen mit dem örtlichen Personal sich um das Gepäck kümmerten.
4. Isabella im Schloss
Die Ankunft in Düsseldorf am 19. Juli 1691 stellt eine wichtige Zäsur in dieser Geschichte dar. Nach der langen Reise lernte Isabella das Schloss kennen, in dem sie in den Jahren ihres Aufenthalts jenseits der Alpen hauptsächlich gelebt hat, abgesehen von einigen Reisen zusammen mit dem Kurfürstenpaar (in die Niederlande, vermutlich auch nach Frankfurt, Schwetzingen, Wien) und einigen kurzen Aufenthalten in der Umgebung (in Schloss Benrath und Bensberg). Im Düsseldorfer Schloss und auf der Reise teilte sie, wenn auch nur als Bedienstete, Glanz und Luxus des Hofes. Mit ihrer Arbeit garantierte sie von früh bis spät zusammen mit den anderen Bediensteten das Funktionieren des fürstlichen Hauses. War der Düsseldorfer Hof jener Jahre einerseits von der Liebe zum Sammeln von Gemälden, zur Musik, zum Theater und zur Kunst im Allgemeinen geprägt, gaben die Feste, Reisen und Jagdausflüge den Rhythmus des Jahres vor, was aber nicht für die Bewohner der Stadt relevant war.
Doch all dies trug dazu bei, dass sich gerade bei den Menschen in Düsseldorf, auch bei denen die den Palast nie betreten konnten, ein gewisser Stolz auf die Zugehörigkeit entwickelte. Und dies galt umso mehr für diejenigen, die im Palast an Prunk und Luxus mitarbeiteten, auch wenn sie keinen großen Nutzen daraus zogen: Ihnen wurde eine gewisse finanzielle Sicherheit garantiert und sie fühlten sich dadurch in gewisser Weise privilegiert.
Privilegiert fühlten sie sich alle, innerhalb und außerhalb des Schlosses, auch was den Krieg betraf. Als Isabella in Düsseldorf ankam, tobte der Pfälzische Erbfolgekrieg bereits seit acht Jahren. Der Krieg sollte bis 1699 andauern, mit einer anschließenden kurzen Friedenspause von nicht einmal drei Jahren. Und dann brach wieder Krieg aus, der erst 1714 sein Ende fand. Diesmal hieß er Spanischer Erbfolgekrieg. Die Akteure sollten immer dieselben sein: auf der einen Seite der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches mit seinen Verbündeten, von denen Johann Wilhelm der treueste war, auf der anderen Seite sein lebenslanger Rivale Ludwig XIV., der Sonnenkönig, mit seinen Alliierten. Hatte der erste Krieg vor allem Heidelberg und die Pfalz mit Verwüstung überzogen, so involvierte der zweite auch die Bevölkerung der rheinischen Residenz. Doch im Gegensatz zu denjenigen, die Soldaten oder Offiziere in der Familie zählten, blieb Isabella, wie viele am Hof oder in der Stadt, vor den Kriegsereignissen geschützt. Dennoch schlichen sich Befürchtungen ein, zum Beispiel, als die Franzosen auf dem linken Ufer, direkt gegenüber dem Schloss auftauchten oder als 1701 die Stadt Kaiserswerth auf dem rechten Ufer, wenige Kilometer nördlich von Düsseldorf, belagert und zwei Jahre später zerstört wurde. In solchen Fällen wurden, wie Anna Maria Luisa ihrem Onkel in ihren Briefen berichtet, die Schätze ihrer Kunstkabinette verpackt und auf eines der Schiffe verladen, um im Falle einer feindlichen Bedrohung zusammen mit den Kurfürsten auszulaufen. Doch weder Anna Maria noch ihre Schätze verließen jemals den Hafen. Und nachdem die Angst vorbei war, kehrte alles an seinen Platz zurück. Der Krieg wurde mit dem occhiale, dem Augenglas, wie Anna Maria Luisa das damalige Fernrohr nannte, also hauptsächlich in gebührendem Abstand von den Fenstern des Schlossturms aus verfolgt.

Das Leben im Schloss verlief für die Mitarbeiter in einer Art von Blase, ziemlich weit entfernt von den realen alltäglichen Zeitläuften Mit den italienischen Hofangestellten, die sich bereits von der Reise her kannten, arbeitete Isabella eng zusammen und mit ihnen sprach sie fast ausschließlich Italienisch. Wie sich auch Anna Maria Luisa mit Johann Wilhelm in ihrer Heimatsprache unterhielt, während Deutsch und Französisch sonst die offiziellen Umgangssprachen waren.
Das höfische Leben im Palast war im Übrigen sehr lebhaft, mit Gästen und Festen, an denen das Personal den ganzen Tag im Einsatz waren. Isabella Celati lebte zumeist im Schloss und bewegte sich für ihre Aufgaben hauptsächlich in der Wohnung der Medici. Dort befanden sich auch die sogenannten Kunstkabinette, die kleinen, kostbaren Kunstsammlungen der Fürstin, die, wie diejenigen des Kurfürsten, ansonsten nur wenigen zugänglich waren. Sie wurden jedoch stolz den durchreisenden hochgestellten Gästen gezeigt: Porzellan, Kleinplastiken, Schmuck, den Anna Maria Luisa ständig “tanzen“, d.h. abstauben und bewegen ließ, sicher nicht zur Freude der damit betrauten Dienerschaft, die „manches Geschrei befürchtete, wenn sie zerbrechen“, wie die Medici selbst ihrem Onkel, dem Kardinal Medici, in einem Brief von 1697 berichtet.
Und was waren Isabellas Aufgaben? Die Betreuung von Anna Maria war die Aufgabe der beiden älteren Kammerfrauen, Maria Vittoria Casanova und Elisabeth Geizklöpfer, sowie aller Kammerzofen und wahrscheinlich vor allem von Isabella, die offiziell die erste von ihnen war. Die Aufgaben des weiblichen Personals am Hofe waren auf das Wohlbefinden und Erscheinungsbild der Kurfürstin im Tagesablauf fokussiert. Vom morgendlichen Aufstehen an sorgten sich verschiedene Frauen um die Kurfürstin, und verschiedene Aufgaben standen auf deren Arbeitsplan: Körperpflege, Kämmen und Ankleiden der Kurfürstin; also stundenlanges Frisieren und Behandlung der Haare nach der neuesten Mode; wie auch das Herrichten der Garderobe, nämlich Reinigung, Reparatur und sichere Verwahrung der kostbaren Seidenkleider und Spitzen.
Die Tätigkeitsbereiche waren vermutlich nach Funktion, Vertrauen und Alter verteilt. Die Zimmerpflege, und zwar die Überwachung der Reinigung des privaten Schlafzimmers und der Audienzräume, wurde vermutlich vom niederen Personal übernommen. Nicht so die Pflege der Kunstkabinette, die Vertrauenssache war und von entsprechenden Bediensteten wie Isabella übernommen wurde. Der sogenannte Juwelen-Dienst, und zwar das Heraussuchen, Anlegen und sichere Verschließen des wertvollen Schmucks war vielleicht eine Aufgabe der beiden älteren Kammerfrauen, so wie die Begleitung zu den täglichen Messen in die Hofkirche. Zu den Theateraufführungen, Bällen und Opern stand wahrscheinlich die erste Kammerzofe dezent im Hintergrund bereit.
Für das ganze Personal galt übrigens strenge Geheimhaltung: Diskretion hinsichtlich Krankheiten, Launen oder politischer Aussagen der Kurfürstin war Pflicht, auch weil auf Grund ihrer Aufgaben das gesamte Personal auch bei wichtigen Gesprächen anwesend war. Darüber hinaus wissen wir aus den Kabinettskassenrechnungen, dass Isabella zusätzliche Vertrauensaufgaben übernahm, wie das Abholen von in- und außerhalb der Stadt für die Kurfürstin bestellter Waren. So können wir uns auch vorstellen, dass Sie mit der Pflege und dem Umräumen der Kabinette von Anna Maria unter deren Leitung beauftragt war.
5. Isabella in der Stadt
Zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert war Düsseldorf nicht mehr nur ein Dorf an der kleinen Düssel, wie der Name vermuten lässt, sondern eine bekannte europäische Stadt, von der Reisende und Diplomaten, Gäste und Biographen sprachen. Ca. 8.600 Einwohner, davon zählten allein etwa 370 zum Hofpersonal, dazu kamen noch Priester und Nonnen. Es gab mehrere Klöster direkt in der Stadt, unter anderem das Kloster der Franziskaner (ab 1651), der Kapuziner (ab 1617), der Jesuiten samt Kolleg (ab 1620), der Ursulinen (ab 1681 und ab 1699 inklusive Schule in der Altstadt) und der Coelestinerinnen (1638 gegründet).
Viele Kirchen prägten das Bild der Stadt: In der Nähe des Schlosses am Rhein waren es die Stadtkirche Sankt Lambertus, mehrere ältere Gotteshäuser und die barocke St. Andreas-Kirche. Nicht weit entfernt standen auch die zwei neuen bescheidenen evangelischen Kirchen, zudem fielen die sechs Stadttore und die Bastionen ins Auge und die Kasernen, in denen im Laufe der Jahren immer mehr Soldaten stationiert wurden.
Johann Wilhelm hätte die Stadt gerne weiter umgestaltet, aber viele seiner Pläne zur baulichen und architektonischen Erneuerung konnte er nicht verwirklichen. Wenn Isabella das Schloss verließ, bewegte sie sich also in einem recht begrenzten Gebiet über den Marktplatz, zwischen den Klöstern, den verschiedenen Kirchen und an der Oper vorbei, immer zu Fuß. Hingegen wurden die Fürsten und höheren Höflingen sowie Gäste entweder mit Kutschen gefahren oder in Sänften getragen. Um 1700 erfuhr die Stadt dann eine gewisse Modernisierung, die auch den einfachen Bürgern Zugute kam. Lange Zeit bedeckten Schmutz und Schlamm die Straßen, die jetzt gepflastert wurden. Die neue Straßenbeleuchtung erhöhte die Sicherheit und Nutzbarkeit der Wege, besondere im Winter.
Düsseldorf erstreckte sich damals ausschließlich am rechten Rheinufer. Das Zentrum, in dem nur noch wenige Gebäude aus Isabellas Zeiten erhalten sind, entsprach der heutigen Altstadt, deren Straßennamen gleichgeblieben sind. In der Nord-Süd-Ausdehnung erreichte Düsseldorf etwa 1.500 Meter, in der Breite weniger als die Hälfte. Ein überschaubares Gebiet also von nicht mehr als einem Quadratkilometer, auf dem sich Isabellas gesamte Welt abspielte.
Jenseits des Rheins befand sich nur eine kleine Befestigungsanlage, und die Straße, die nach Westen führte und wichtig war, um Köln, Aachen und Paris zu erreichen. Zuerst war das Übersetzen über den Rheins nur durch kleine einfache Ruderfähren möglich. 1699 ließ Jan Wellem eine sogenannte fliegende Brücke einrichten, eine breitere Art von Pontonbrücke oder Gierseilfähre, die bequemer war und besser funktionierte, indem sie den Flussstrom ausnutzte.
6. Isabella, Spuren in Dokumenten
Während sich die Chroniken der Zeit und die Geschichtsschreibung des 20. und 21. Jahrhunderts ausführlich sowohl mit den wichtigsten Persönlichkeiten jener Epoche als auch mit der Residenz und der Stadt befasst haben, können wir in den Kabinettskassenrechnungen auch jenen begegnen, die wie Isabella Celati auf den ersten Blick unbedeutend und nur eine Nebenfigur der Geschichte waren.
Bei der endgültigen Abreise der Kurfürstin aus Düsseldorf im Jahr 1717 befanden sich diese Papiere in dem Gepäck, das die Fürstin nach Florenz mitnahm, vermutlich weil sie Transparenz in ihren finanziellen Aktivitäten während ihrer sechsundzwanzig Jahre in Deutschland dokumentieren wollte. In Florenz können sie im Staatsarchiv eingesehen werden; seit 1960 liegen sie auch als Mikrofiches im Düsseldorfer Stadtarchiv vor, und es gibt auch davon ein Regest, das heißt eine kurze Zusammenfassung, die von der Biografin von Anna Maria Luisa, Hermine Kühn-Steinhausen, in den 1960er Jahren erstellt, aber nie veröffentlicht wurde. Erst 2015 sind in Düsseldorf die Kabinettskassenrechnungen von Jürgen Rainer Wolf mit einer umfangreichen kritischen Dokumentation und wertvollen Registern herausgegeben worden. Darin sind die verschiedenen Ausgaben der Fürstin festgehalten, darunter für Ankäufe von Kunstwerken und deren Transport, Bestellungen von Schmuck und Kleidung, Mäzenatentum für Klöster und Einzelpersonen, Schenkungen an religiöse Institutionen, die Unterhaltung am Hofe und Geschenke innerhalb der Familie. Besonders interessant für uns ist die Tatsache, dass wir dort vierteljährlich die Personalausgaben mit Gehaltslisten finden.
7. Isabella in den Kabinettskassenrechnungen
Aus den vierteljährlichen Abrechnungen in diesen Kassenrechnungen der Anna Maia Luisa ergeben sich auch direkte und sichere Spuren von Isabella Celati, die als prima ragazza di camera (erste Kammerzofe) zwölf Jahre lang dem Gefolge von Anna Maria Luisas angehörte. Sie behielt dabei ihre Stellung und ihre Aufgaben, das Gehalt für diesen Zeitraum wurde ihr konstant ausgezahlt. Von Anfang an, d.h. schon bei der Hinreise nach Düsseldorf, waren Dienstgrad und Gehalt genau festgelegt, ebenso wie die vierteljährlichen erstellten Abrechnungen, die von Gräfin Fugger, der Obristhofmeisterin der Kurfürstin, erstellt wurden, und die Quittungen, die von jedem der Angestellten gegengezeichnet wurden.
In den Quartalsberichten finden wir Name und Gehalt der Hofdamen der Kurfürstin und des Personals aufgelistet. Von den Donne di Camera (Kammerfrauen) bis zu den jüngsten Mädchen (Jungfer), die für die Küche zuständig waren und dem letzten Kammerdiener, oder Lakai (Kammerdiener und Kammertrabant), war es insgesamt eine Gruppe von mehr als dreißig Personen, die ab 1691 in Düsseldorf am Hofe Anna Maria Luisas tätig waren.
Bei gleicher Kompetenz- und Verantwortungsebene verdienten Männer mehr als Frauen. Darüber hinaus fällt auf, dass die qualifiziertesten, besser bezahlten (und begehrtesten) Funktionen (Sekretär, Arzt, Barbier/Chirurg) von den männlichen Bediensteten ausgeübt wurden. Eine Ausnahme bildete Gräfin Klara Dorothea Fugger, die Obristhofmeisterin, die in ihrer Verwaltungsfunktion als Majordoma mit 2.000 Gulden pro Jahr an der Spitze der Gehaltsliste stand, gefolgt von den sechs bis acht Hofdamen, die alle aus dem hohen deutschen katholischen Adel stammten und deren Gehälter mindestens 300 Gulden pro Jahr betrugen. Unter dem Personal verdienten die Dienstältesten, die donne di camera Maria Vittoria Casanova und Elisabeth Geizklöpfer, 120 bis 140 Gulden.
Isabella nimmt mit den anderen Zofen eine Zwischenstellung auf der Gehalts- und Dienstgradskala ein. Sie verdiente wie alle anderen jüngeren und unverheirateten Zofen 100 Gulden pro Jahr aber was den Rang und nicht das Gehalt anbelangte, befindet sie sich im Vergleich zu ihren jüngeren Kolleginnen in einer privilegierten Stellung als prima ragazza di camera, die für sie von 1691 bis 1703 galt, während nur wenige ihrer Kolleginnen so lange am Hof blieben. Dies lässt sich nachvollziehen, wenn man in den Rechnungsbüchern die erwarteten Zahlungen für das Personal bei der Ankunft in Düsseldorf mit den folgenden vierteljährlichen Zahlungen Jahr für Jahr untersucht, wobei die letzte Entlohnung Isabellas für den Mai 1703 vermerkt ist.

Bei der Prüfung dieser Geschäftsbücher fällt auf, dass Isabella in den zwölf Jahren ihres Dienstes ihre Position stetig gehalten hat, ohne dass es zu einem Karrieresprung kam. Für sie, wie für die anderen, waren auch Kost und Logis garantiert. Außerdem gab es mehrere jährliche Zuschüsse für Namenstage (fast ausschließlich für weibliche Angestellte) und zusätzliche Beiträge für Hochzeiten und Kindstaufen. Für männliche Angestellte hingegen waren sogar erhebliche Gehaltsvorschüsse möglich, ebenso gab es die Möglichkeit zusätzlicher Aufgaben und Karrierechancen.
Dass Isabellas Gehalt keineswegs geringfügig war, lässt sich vor allem an seiner Kaufkraft ablesen. Auch hier helfen uns die Rechnungsbücher weiter. Nur zur Orientierung: Schon beim Durchblättern der Register und der Bücher selbst erfahren wir zum Beispiel, dass der Preis für ein Paar warme Socken damals einen Gulden und ein Paar Handschuhe einen Gulden und zehn Rappen kostete. Der Satz von einem Gulden und 30 Kreutzer war derjenige der Hebamme bei einer Geburt, ebenso derjenige des Taufpriesters, während der Messdiener nur 30 Kreutzer erhielt. In diesem Fall handelte es sich um die Geburt und Taufe eines Bürgerkindes, also eines Kindes, das nicht zum Hof gehörte.
Daraus lässt sich schließen, dass Isabella bei freier Kost und Logis gut verdiente, auch wenn ihr Gehalt nicht mit denen der Hofkünstler zu vergleichen ist: Der Bildhauer Gabriel Grupello, der Schöpfer unter Anderem des Reiterstandbildes Johann Wilhelms auf dem Marktplatz, erreichte z.B. 3.000 Gulden im Jahr, dazu kamen für ihn noch einige Extras, wie das Haus am Rathausplatz.
8. 1703, das Jahr des Durchbruchs
Isabella Celati heiratete am 22. März 1703. Aus den Kabinettskassenrechnungen erfahren wir, dass eine Jungfer Isabel zu Beginn des Jahres mit einer Rechnung vom 12. Januar 1703 für Anna Maria Luisa Spitzen bei Anna Katharina Meyers, der kurfürsterlichen Lieferantin, abholte und bezahlte. Die Summe wurde ihr dann zurückerstattet. War es ein Hochzeitsgeschenk von Anna Maria Luisa und Ihres Mannes an zwei treue Mitarbeiter? Auch der Bräutigam war nämlich jemand, der dem Kurfürsten nahestand: Giovanni Battista Fiori, der Barbier und Chirurg sowohl von Anna Maria Luisa als auch von Johann Wilhelm. Er ist für uns unverzichtbar, wenn wir die Spur von Isabella von dem Zeitpunkt an verfolgen wollen, an dem sie ihren Dienst am Hof quittieret und nicht mehr auf der Gehaltsliste stand. Wir können davon ausgehen, dass Giovanni Battista Fiori bereits in den frühen 1690er Jahren zur Entourage des Fürsten gehörte. Fiori blieb Barbier und Chirurg sowohl von Anna Maria Luisa als auch ihres Gatten. Nach dessen Tod kehrte er mit ihr und mit seiner Familie nach Florenz zurück. Aus den Rechnungsbüchern erfahren wir viel mehr über ihn, z.B., dass sein Gehalt ab 1699 dreihundert Gulden pro Jahr betrug, dreimal so viel wie das von Isabella. Er war nicht nur Barbier und Chirurg, sondern übernahm bei Johann Wilhelm auch andere Ämter, zum Beispiel schon 1698 das des Kurpfälzischen Hofkämmerers, sicher kein reines Ehrenamt, aber leider sind die Rechnungsbücher des Fürsten nicht erhalten, so dass wir nicht wissen, welches Salär Giovanni Battista in dieser Funktion erhielt.
Aus den Konten von Anna Maria Luisa geht auch hervor, dass Giovanni Battista Fiori 1701 einen dreijährigen Gehaltsvorschuss von 600 Talern (900 Gulden) aus den pfälzischen Finanzen bekam. In jeder Liste der vierteljährlichen Zahlungen für genau drei Jahre findet sich neben seinem Namen und seiner Funktion eine Null und fast immer ein Hinweis auf den Vorschuss. Dies geschah zu einer Zeit, als der Fürst die Mitglieder des Hofes und die wohlhabenderen Bürger, die bis dahin bei Investitionen eher zögerlich geblieben waren, dazu ermutigen wollte, sich außerhalb des Schlosses niederzulassen und ein Haus außerhalb des unmittelbaren Stadtzentrums, in der Neustadt, zu bauen. Es ist anzunehmen, dass diese Heirat vielleicht schon 1701 entweder von den beiden Verlobten oder von den beiden Fürsten geplant wurde und dass das Darlehen mit Blick auf eine zukünftige Familie gewährt wurde. Isabellas letzte Arbeitsperiode, auch unmittelbar nach ihrer Heirat, war wahrscheinlich 1703 in Siegburg. Sie verschwand am 6. August von der Gehaltsliste und wurde (allerdings nur für zwei Jahre) durch eine gewisse Antonina Celati (eine Verwandte?) ersetzt, die bereits seit 1691 dort tätig war. Antonina übernahm jedoch nicht die Rolle der prima ragazza di camera und kehrte einige Jahre später nach Florenz zurück.
Ab 1701 tobt im Rheinland erneut der Krieg, diesmal um die spanische Erbfolge. 1703 ist die Stadt Bonn von den Franzosen noch besetzt und von den Kaiserlichen belagert, die kurz vor einem endgültigen Sieg stehen, der die Franzosen für immer aus dem Rheinland vertreibt. Von März bis Mai hält sich der gesamte Düsseldorfer Hof als Beobachter in Siegburg auf, von wo aus man die Belagerung der von den Franzosen besetzten Stadt Bonn aus sicherer Entfernung beobachtet und sich mit Festlichkeiten, Musik und Schauspiel unterhält. Wahrscheinlich nimmt auch die frisch vermählte Isabella mit ihrem Ehemann an diesem Ereignis teil, an dem Spektakel dieses „teatro di guerra“, dieses barocken Kriegsschauplatzes. Ab Mai 1703 erschien der Name Isabellas in den Gehaltsbüchern nicht mehr. Giovan Battistas Gehalt wurde dann, wie erwartet, ein Jahr später und bis zu ihrer Rückkehr nach Florenz und dann auch in der Stadt am Arno regelmäßig gezahlt. Isabella, die jetzt eine neue Position durch ihren Ehemann erreicht hatte, existierte nun nur noch als Ehefrau von Giovanni Battista. Das Paar bekam vier Kinder, wie aus den Spenden von jeweils vier Gulden hervorgeht, die Anna Maria Luisa dem Ehemann ihrer ehemaligen ragazza di camera im Mai 1704 und 1705 für die Taufe eines Kindes machte. Fünf Jahre später gab es eine doppelte Taufe, als offensichtlich Zwillinge geboren wurden. All dies ist in den Rechnungsbüchern getreu festgehalten.
9. Die letzten Jahre in Düsseldorf
Isabella Celati Fiori blieb nach ihrer Heirat ausschließlich Ehefrau und Mutter. Wir wissen nicht, wie viele der Kinder später volljährig werden. Die Eltern setzten ihr Leben in Düsseldorf fort, Giovanni Battista am Hof. Die Familie Fiori wohnte zwar nicht mehr direkt im Schloss, aber auch nicht extra muros. Ihr Zuhause befand sich vermutlich in unmittelbarer Nähe.
Im Alten Schloss Benrath, eine halbe Tageskutschenfahrt vom Zentrum entfernt, wo die Fürsten mehrere Sommer verbrachten, wohnten die Fioris für einige Wochen zusammen mit dem Hof. So auch in Bensberg, östlich von Köln, wo in jenen Jahren das große Schloss gebaut wurde, das die künftige Residenz von Anna Maria Luisa und Johann Wilhelm werden sollte. Dort verbrachte man die Sommer- und die Jagdsaison. Auf jeden Fall konnte Isabella alle Ereignisse in Düsseldorf und am Hof bis 1717 mitverfolgen und erlebte auch die letzten Jahre des Ruhmes mit, die politische Krise und die erste Krankheit des Prinzen sowie dessen Genesung und den Rückfall.
Im Jahr 1716 starb Johann Wilhelm. Wir wissen mit Sicherheit, dass Giovanni Battista Fiori dem Fürsten in Düsseldorf bis zuletzt beistand und dass er sowohl während des Witwenjahres die Kurfürstin unterstützte als auch nach der Rückreise bis zu ihrem Tod in Florenz bei ihr blieb. Isabella ist in den Rechnungsbüchern weder für 1717 noch für die Rückreise verzeichnet. Ihr Ehemann hingegen schon. Wir wissen jedoch von Anna Maria Luisas Biographin, dass das Paar Fiori in Florenz bis 1743 im Kreis der Palatina im Palazzo Pitti blieb, also auch, als Anna Maria Luisa 1737, beim Übergang vom Hause Medici zu den Habsburger-Lothringern, mit dem Familienpakt den Verbleib ihrer Kunstwerke in Florenz garantierte, und sie alle die Schätze der Stadt unter der Bedingung überließ, dass sie am Arno zu verbleiben hatten. Das Testament von Anna Maria Luisa enthält auch die letzte Spur der Familie Celati Fiori: Maria Maddalena Fiori, inzwischen Nonne in einem Kloster in Forlì, erhält eine beträchtliche Leibrente.
Und dies scheinen die letzten Spuren von Isabella Celati Fiori zu sein, zumindest die, die sich direkt auf Düsseldorf beziehen. Sicherlich könnte man weitere Spuren auch in den Archiven des Staatsarchivs und des Klosters Montalve in Florenz, bzw. in Forlì oder in den Archiven und Museen in Düsseldorf suchen, wo die Briefe von Anna Maria Luisa an Freunde in ihrem geliebten Düsseldorf noch immer nicht wirklich erforscht sind.
Literaturverzeichnis
Casciu, Stefano (2006): „Prinzessin von großer Weisheit„. Von der barocken Pracht der Höfe bis zur Patto di famiglia – Ausstellungskatalog Dezember 2006-April 2007, Livorno: Sillabe.
GIAGNONI, Nicola (2002) “L’archivio delle Minime Ancille della Santissima Trinità o Montalve alla Quiete di Firenze”, Firenze: Florence University Press.
Kühn-Steinhausen, Hermine (1938): Regest der Briefe Anna Maria Luisa de‘ Medici Electrice Palatina. Düsseldorf: Droste Verlag.
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Kühn-Steinhausen, Hermine (1939): Anna Maria Luisa de‘ Medici Electrice Palatina. Düsseldorf: Droste Verlag.
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Florenz: Edizioni Sansoni Antiquariato.
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Wolf, Jürgen Rainer (2015): (1667-1743) Die Kabinettskassenrechnungen der KurfürstinAnna Maria Luisa von der Pfalz (1667-1743), Band 1-3. Essen: Klartext Verlag.
Biographische Notiz
Chiara de Manzini Himmrich, geboren in Triest, lebt und arbeitet in Düsseldorf.
Ab 1976 Dozentin für Italienisch am Seminar für Romanistik der Heinrich-Heine-Universität und Autorin zahlreicher Veröffentlichungen im Bereich des Unterrichts von Italienisch als Fremdsprache sowie von Aufsätzen zu Geschichte, Linguistik, Kritik und Didaktik. In den letzten Jahren schreibt sie zwischen historischer Dokumentation und Fiktion, zwischen Geschichte und Frauengeschichten, zwischen der italienischen und der deutschen Welt.
© Dott.ssa Chiara de Manzini-Himmrich 29.10.2026



